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Leseprobe
Alternative Medizin und Heilung anno dazumal Von Valentin Hauser Aus Aufzeichnungen ist ersichtlich, dass im Krankheitsfall nur ab und zu ein Arzt hinzugezogen wurde. Das lag daran, dass sich nicht jede Familie oder die Dienstboten auf den Höfen einen Arzt leisten konnten. In den meisten Fällen wurde mit „Hausmitteln“ behandelt, die von „Kräuterweibeln“ oder Hilfshebammen empfohlen wurden, zum Beispiel bei Fieber und Kopfweh. So wurden etwa vor dem Schlafengehen Hollerblätter an Genick, Kopf und Stirn aufgelegt und mit Leinenstreifen eingefatscht  und am nächsten Morgen wieder entfernt. Ein ganz bekanntes „Kräuterweiberl“ war die „Alte Kramplin“, Frau Elisabeth Sollhard (1868 – 1943), die beim vlg. Krampl in Lamm wohnte. Viele Bewohner aus Greutschach, aber auch aus dem Görtschitz- und Jauntal pilgerten mit einem Fläschchen Harn im Sack zu ihr und erhielten Rat, verschiedenste selbst gemischte Kräuterextrakte oder Salben und manchmal auch einen Vorschlag für eine Rezeptur aus der Apotheke. Als die „Alte Kramplin“ starb, übernahm die Funktion vorerst ihre Tochter Rosa (1892 – 1944) verehelichte Fertala und danach deren Tochter Amalia (1922) verehelichte Waitschacher, die laut Überlieferung ebenfalls die Fähigkeit besaß, Krankheiten aufgrund der Betrachtung des Harns der betroffenen Person feststellen zu können. Als sie ca. 1954 nach Mieger bei Ebenthal zog, fuhren die Greutschacher auch dorthin zur „Behandlung“. In Greutschach gibt es wahrscheinlich kein Haus, dessen Bewohner nicht einmal oder mehrmals die „Kramplin“ um medizinischen Rat gebeten hätten. Ein heute noch lebender Zeitzeuge aus Untergreutschach berichtete, dass sein lungenkranker Vater vom Krankenhaus Klagenfurt als unheilbarer und sterbender Mensch nach Hause geschickt wurde. Die „Kramplin“ gab ihm den Rat, nach dem Brotbacken eine gewisse Menge rohes Hundefett ins Backrohr zu stellen und das geschmolzene Fett dann in kleinen Mengen zu sich zu nehmen. Gesagt, getan! Bei einer späteren Kontrolle im Krankenhaus konnten die Ärzte nicht verstehen, dass der damals todkranke Patient noch am Leben war. Der Geheilte genoss noch viele Jahre sein irdisches Dasein. Man versuchte auch, die „Kramplin“ hinters Licht zu führen und brachte ihr eines Tags ein Fläschchen Urin, das jedoch von einem Pferd stammte, mit der Bitte um Feststellung der Krankheit. Sie nahm das Fläschchen, schüttelte es, schaute den Inhalt durchs Glas an und sagte: Sie können heimgehen, ihrer Stute fehlt nichts, sie wird bald ein gesundes Fohlen zur Welt bringen.“ Aber nicht nur „die Kramplin“ half den Greutschachern, auch viele andere „Hausmittel“ wurden angewandt, z.B. das Abbeten oder Abkochen einer Krankheit. Wenn man fest daran glaubte, half es und man wurde wieder gesund. Allerdings gab es im Saualmgebiet nur ganz wenige Menschen, die in der Lage waren, Kranke mit dem Abbeten wieder gesund zu machen. Einer davon war Markus Rebernig (1874 – 1963), Verhounig Morke, der in der Vronasmühle im Wölfnitzgraben und später beim vlg. Verhounig in Obergreutschach lebte. Er wurde immer wieder zu kranken Personen gerufen und ersucht, die meist nicht bekannte Krankheit abzubeten, und er tat dies sichtlich gerne. Er legte zunächst drei tennisballgroße Steine in die Glut des Küchenherdes, bis sie glühend waren, dann wurden sie in ein kleineres Holzschaffel gegeben.
Leitartikel Leseprobe Redaktion
Als Nächstes goss er kochendes Wasser in das Schaffel und stülpte einen Kochtopf über die Steine. Über den Kopf des „Patienten“ wurde ein weißes Leintuch gelegt und der „Heiler“ befahl den Hausleuten das Krankenzimmer zu verlassen. Das Holzschaffel mit den zischenden Geräuschen der abkühlenden, mit dem Topf zugedeckten Steine und dem aufsteigenden Dunst wurde an die vermeintliche kranke Stelle des Hilfesuchenden gehalten. Danach musste er eine Zeit lang beten und gewisse Sprüche aufsagen. Unter anderem sagte er, natürlich im windischen Dialekt: „Sind nicht mehr zehn Krankheiten, sind nur noch neune, sind nicht mehr neune, nur noch achte, sind nicht mehr achte, nur noch siebene…“ usw., bis keine Krankheit mehr übrig war. Und tatsächlich, einige „Abgebeteten“ wurden schön langsam wieder gesund, bei anderen Patienten half das Abbeten (wahrscheinlich) nicht. Ein ganz besonderer Überlebenskünstler war der in der Klemunmühle in Obergreutschach wohnhafte „Joschka“ mit dem bürgerlichen Namen Josef Tschebaus. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ging er immer wieder auf die Petzen, wo er giftige Skorpione, die unter Steinplatten lebten, einsammelte und diese bei lebendigem Leibe entweder in Öl oder in Schnaps einlegte. Bevor die Skorpione im Öl bzw. Schnaps ertranken, spritzten sie ihr Gift in die Flüssigkeit und mussten drei Wochen lang dort „angesetzt“ bleiben. Dieses spezielle Öl wurde oft erfolgreich bei Euterentzündungen von Kühen eingesetzt. Die Schnapsvariante galt als bewährtes Heilmittel für „verstauchte“ Pferdefüße, aber auch als Medizin gegen Koliken bei Pferden und Rindern. Ab und zu verwendeten die Rossknechte den Skorpionschnaps, welcher mit etwas Wasser „verlängert“ wurde, als Aufputschmittel für Pferde, die dann extrem wild galoppierten. Joschka stellte aber auch das stinkende Abwehrmittel „Banbiegl“ her, welches gegen Fliegen, Bremsen- und Wespenplagen half. Er kochte halb verweste Schweine- und Rinderknochen so lange im siedenden Wasser, bis eine braune, dickflüssige Masse entstand, die bestialisch stank. Diese Tinktur wurde den Pferden im Sommer auf den Brustbereich und auf die Füße geschmiert und sie wirkte zu hundert Prozent. Joschka Tschebaus erhielt als Dank von den Abnehmern seiner Heilmittel so viel Essen, dass er davon gerade überleben konnte. HauserGeschichte | Schule | Kirche | Kultur | Lebenserinnerungen 230 Seiten, 170 Fotos ISBN 978-3-85229-929-8 Buchpreis: € 24.— Kontakt: Valentin Hauser, 9112  Griffen 142, 0663 1333355 Email: v.hauser@aon.at Foto 1: Die Kramplin, Elisabeth Sollhard (1868-1943) Foto 2 : Markus Rebernig vor dem Anwesen vlg. Verhounig in Obergreutschach (ca 1958). Dieser Text entstammt dem Buch „Greutschach – ein Bergdorf erzählt“ und wurde uns vom Autor Valentin Hauser zur Verfügung gestellt. Das heimatkundlich äußerst informative Buch ist beim Autor erhältlich.„GREUTSCHACH – Ein Bergdorf erzählt“  von Valentin Hauser
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Abbildung 1
Abbildung 2