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Die Kärntner Landsmannschaft
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Leseprobe
Jugendliches "Glockner-Fieber" anno 1966 – Erinnerung an eine „unvollendete" Glockner-Tour Von Karl Brunner Eine katholische Jugendgruppe aus dem Gailtal hatte sich – vor 55 Jahren – gemeinsam mit Pfarrer Josef Schachner auf den Weg gemacht, um den Großglockner zu besteigen. Der Großglockner sei nicht schwieriger als viele andere Berge – nur etwas höher, meinte der Pfarrer, was die Jugendlichen ermutigte, die Besteigung mit ihm anzugehen. Ein großartiger Hochwürden. Über 60 Jahre stand der nunmehrige Pfarrer in Ruhe, Josef Schachner, im priesterlichen Dienst. Er feiert am 24. September 2021 seinen 92. Geburtstag. Schachner, 55 Jahre lang Pfarrer von St. Daniel im Gailtal und Würmlach, wurde 1929 in Schwersberg bei Stall im Mölltal geboren. Nach seiner Priesterweihe 1960 in Klagenfurt wirkte Schachner zunächst als Seelsorger in den Pfarren Gnesau, St. Martin in Ebene Reichenau und St. Lorenzen/Reichenau. Anschließend war er bis 1965 Kaplan in Feistritz an der Drau. Von 1965 bis zu seinem Ruhestand, den er mit 1. September 2020 antrat, war Schachner Pfarrer von St. Daniel im Gailtal und seit 1980 zusätzlich Provisor von Würmlach. Von 1980 bis 1999 war Schachner zudem Dechantstellvertreter des Dekanates Kötschach. In Anerkennung seiner Leistungen wurde Schachner 1992 zum Bischöflichen Geistlichen Rat ernannt. Franz Robatsch und Franz Ploner aus Weidenburg in der Gemeinde Kötschach-Mauthen (damals noch selbständige Gemeinde Würmlach), die im Rahmen einer katholischen Jugendgruppe ihrer Pfarre St.Daniel sehr aktiv waren, erinnern an diese abenteuerliche Begebenheit mit dem beliebten und geschätzten Pfarrer Schachner. Es war am 9. Juli 1966, man hatte sich entschlossen mit dem Pfarrer den Großglockner zu besteigen. 13 Burschen und Mädchen machten sich mit zwei VW-Käfer und Mopeds auf den Weg, um auf die Franz-Josefs-Höhe zu fahren. Um Mitternacht wurde noch eine Messe in St. Daniel gelesen, dann ging es los, manchen wurde unterwegs schwindlig. Proviant und Benzin wurden mitgenommen, ein Heustrick noch rasch organisiert. Es hatte am Vortag geschneit, die Wegroute erfolgte ab der Pasterze über den Hofmannsgletscher. Ein Steig war nicht zu erkennen, so wurde teilweise falsch gegangen. Jeweils drei Personen verwendeten zur (unprofessionellen) Sicherung den Heustrick, der aber viel zu kurz war. Um zwölf Uhr kamen alle sehr erschöpft an der Adlersruhe an. In der Erzherzog Johann-Hütte wurden Steigeisen ausgeborgt, die Stimmung war nicht gut, da sie von Bergsteigern auf die Gefährlichkeit aufmerksam gemacht wurden. Schließlich erreichte die Gruppe um 14 Uhr den Kleinglockner. Von dort geht es zur berüchtigten Glocknerscharte. Der Pfarrer balancierte noch über den Eisgrat hinüber, einige wollten es versuchen, aber dann wurden doch alle sehr nervös und blieben zurück. Der Pfarrer wollte jeden einzeln an der Hand weiterführen. Doch hier fiel die große Entscheidung: Schweren Herzens entschloss sich die Gruppe zur Umkehr, so wenige Höhenmeter unter dem Gipfel und wenige Minuten vor dem Ziel. Am Kleinglockner hockend wurde auf die Rückkehr des Pfarrers gewartet, der es bis zum Glocknerkreuz geschafft hatte. Gescheitert an der Glocknerscharte, hatten nun viele Tränen in den Augen. Die Gruppe erhielt von anderen Bergsteigern auch eine Rüge wegen der schlechten Ausrüstung. Um 19 Uhr schließlich kam sie wieder unten auf der Pasterze an, alle mussten weiter zu Fuß zur Franz-Josefs-Höhe aufsteigen, weil die Gletscherbahn schon Dienstschluss hatte. Knapp vor Mitternacht kamen alle wohlbehalten, nach 24-stündigen Strapazen, wieder zu Hause im Gailtal an. Die Gruppe war stolz auf ihre Leistung, aber auch enttäuscht, die letzten Meter nicht mehr geschafft zu haben. Die Jugendlichen waren nächsten Tag bei der Sonntagsmesse und fielen durch ihre roten Gesichter auf, weil sie auch auf den notwendigen Sonnenschutz vergessen hatten. Die damaligen Jugendlichen und jetzigen Senioren denken noch oft an diese „unvollendete“ Glocknerbesteigung mit dem Pfarrer zurück, so auch Robatsch und Ploner. „Ob es leichtsinnig war", wurde der Pfarrer danach einmal gefragt? Seine Antwort war für ihn typisch: „Nein, überhaupt nicht – wir haben ja vorher eine Messe gelesen!“ Der verdienstvolle Pfarrer Schachner als großer Bergfreund und Mölltaler stand noch mehrmals am Gipfel des Großglockners, brachte dabei – bei besserer bzw. kompletterer Ausrüstung – auch alle seine Schützlinge gut und sicher zum Glocknerkreuz. „Der Pfarrer war damals unser Bergführer, Seelenführer ist er noch immer", so Robatsch und Ploner. Der beliebte Hochwürden im Ruhestand ist noch immer seelsorglich aushelfend und da und dort aktiv, soweit er gebraucht wird und es ihm möglich ist. Abb 1: Geistlicher Rat Josef Schachner, Foto k.brunner Abb 2: Blick auf den Großglockner, August 2007, Foto J. Eichert