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Kultur Land Menschen
Die Kärntner Landsmannschaft
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Leseprobe
Kärntner Kriegsflüchtlinge – 1918-1920 Von Thomas Zeloth (Dieser Beitrag ist eine Vorschau auf den am 7. Mai 2019, um 18.00 Uhr im Kärntner Landesarchiv stattfindenden Vortrag des Autors) Ab 7. November 1918 besetzten südslawische Truppen Kärnten bis zur Drau und darüber hinaus, am 5. Dezember beschloss die Kärntner Landesregierung den militärischen Widerstand gegen die Besetzung. Was von der Geschichtswissenschaft beider Seiten zum Teil noch immer verharmlosend als Kampf – von den einen als „Kampf um die Nordgrenze“ und von den anderen als „sogenannter Abwehrkampf“ bezeichnet wird – war in Wirklichkeit ein regelrechter Krieg mit Einsatz schwerer Waffen, der auf beiden Seiten mit zahlreichen Soldaten und Freiwilligen geführt wurde. Zahlreiche Gebäude – Häuser, Wohnungen und Gehöfte wurden zerstört. Die österreichische Seite zählte 270, die jugoslawische Seite 150 Todesopfer. Es ist ein bisher relativ unbekanntes Kapitel in der Kärntner Geschichte, dass es in Folge der militärischen Auseinandersetzungen zwischen 1918 und 1919 zu einer regelrechten Flüchtlingswelle kam. Über 5.000 Menschen verließen ihre Heimatorte und flüchteten über die vom jugoslawischen Militär errichtete Demarkationslinie nach Norden. Sie flüchteten, weil ihre Häuser zerstört und ihre Felder verwüstet waren, die meisten aber aus Angst vor Repressalien durch die jugoslawischen Truppen und Behörden. Die Furcht war nicht unbegründet, da die jugoslawischen Behörden zahlreiche Kärntner internierten und nach Laibach oder Marburg brachten, im Gegenzug verhafteten die Kärntner Behörden über 300 Kärntner Slowenen, die sie in Lagern in Oberkärnten inhaftierten. Die Internierten wurden wechselseitig als politisches Faustpfand benutzt. Zahlreiche Personen wurden einfach von den jugoslawischen Behörden aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen, vor allem Lehrer, weil sie im Verdacht deutsch-nationaler Propaganda standen. Betroffen von Ausweisung waren auch Staatsangestellte, wie z. B. Bahnbedienstete. Alle Kärntner Flüchtlinge fielen unter das österreichische Gesetz über den Schutz der Kriegsflüchtlinge aus dem Jahre 1917 und damit in die Bundesbetreuung. Aus Wien kamen als Sofortmaßnahme zahlreiche Kleider, Schuhe und Decken. Jedem anerkannten Flüchtling und seiner Familie stand ein Taggeld zu, das im Laufe der Zeit schrittweise erhöht wurde. Eigentlich war man auf eine Flüchtlingswelle in diesem Ausmaß nicht eingestellt. Das zeigen mehrere Beispiele aus Kärntner Städten. Die Kärntner Landesregierung wollte kein großes Flüchtlingslager einrichten, sondern die Flüchtlinge auf die Kärntner Gemeinden aufteilen. Sie wurden an den Bahnhöfen gesammelt und mit der Bahn in die einzelnen Gemeinden gebracht, manchmal relativ weit von ihrem Heimatort entfernt. In der Regel blieben aber die meisten in der Nähe der Demarkationslinie, vor allem in den durch die neue Binnengrenze geteilten Gemeinden. Flüchtlinge aus einem Ort oder einer Gemeinde versuchte man möglichst gemeinsam unterzubringen. Erst nach zähen, langwierigen Verhandlungen mit den jugoslawischen Besatzern kehrten zunächst ein Teil der Flüchtlinge im April, die meisten aber erst im August 1920 in ihre Heimatorte zurück.
Der Vortrag beleuchtet aus Kärntner Sicht die Lage der Flüchtlinge in Einzelschicksalen, die Bemühungen der Behörden um die Versorgung und Unterbringungen und die politischen Implikationen der Flüchtlingswelle im Zeitraum 1918 bis 1920. Abb.: Blick in den zu Wohnraum und Küche ausgebauten Flüchtlingswaggon am Bahnhof Sachsenburg. Er beherbergte Flüchtlinge aus Eisenkappel (Kärntner Landesarchiv). Abb.: Blick in den zu Wohnraum und Küche ausgebauten Flüchtlingswaggon am Bahnhof Sachsenburg. Er beherbergte Flüchtlinge aus Eisenkappel (Kärntner Landesarchiv).