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Kultur Land Menschen
Die Kärntner Landsmannschaft
KLM, Bahnhofstraße 26/5, A9010 Klagenfurt, Telefon +43 463 513423-0, e-Mail: office@k-landsmannschaft.at ZVR:168 57 14 77
Leseprobe
Pestpfeil und Pandemie von Heimo Schinnerl Zur Sicherung des eigenen Lebens und zur Bewältigung der Lebensängste wurden vom Menschen Riten und Kulthandlungen in allen Epochen der Geschichte gepflegt. Im Bestreben des Menschen nach Überschaubarkeit, Orientierung und Ordnung, vor allem in der in letzter Zeit alles bestimmenden globalen Welt, wird gerne nach den uralten, archaischen, möglichst bis in die Keltenzeit zurückreichenden heidnischen Riten und Kultformen gefragt. Aber Vorsicht – hier tappt man allzu gerne in eine Tradierungsfalle denn viele Riten und Kulte sind kaum mehrere Jahrhunderte alt. Es waren in der spätmittelalterlichen Vergangenheit die Naturkatastrohen, Kriege, Seuchen und die damit verbundenen Epidemien die Kultformen und Riten um Bewahrung und Heilung auf Basis des religiösen Glaubens entstehen ließen. Vor allem das Phänomen der Pestkatastrophe führte zu überirdischen Erklärungsversuchen. Die hier praktizierten Riten und Kultformen dienten der Angstbewältigung. Der Glaube an höhere Mächte führte zur Verehrung der heiligen Mutter Gottes Maria und ihren Sohn Jesus Christus und Heiligen. Wallfahrten zu Gnadenstätten, Bitt- und Dankprozessionen entstanden in der gesamten christlichen Welt. In diesem Zusammenhang sei zunächst auf das „Widderofer“ in Ötting verwiesen. Um einem Missverständnis vorzubeugen sei gesagt, dass es sich bei diesem Widderopfer nicht um ein Blutopfer sondern um eine Bittprozession handelt. Als Hintergrund dieser Kulthandlungen werden in Bezug auf tradierte mündliche Überlieferungen Maßnahmen wider eine Pestepidemie, welche in den Jahren 1634 bis 1636 wütete und ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte, angeführt. In Erzählmotiven heutiger Sagen sind die verheerenden Wirkungen der Pest noch in Pestkreuzen und Pestkapellen lebendig. So zum Beispiel auch die Sage zum Pestkreuz in Maria Saal nahe dem Parkplatz zum Kärntner Freilichtmuseum. Der Sage nach wurde auf dem Grab von drei Räubern, die von der Pest befallen waren, das Pestkreuz errichtet. Der Ort wurde von der Pest verschont und aus Dank wurde ein hoher Laubenbildstock errichtet, der heute noch an dieses Ereignis erinnert. Ein zweites Motiv stellt die Schutzmantelschaft dar, die man vor allem bei der Jungfrau Maria erflehte. Dabei suchte man symbolisch Schutz vor den Pestpfeilen, die häufig von einem Engel bzw. dem Allmächtigen abgeschossen und als Strafe Gottes angesehen wurde. Pfeile spielen auch beim Martyrium des heiligen Sebastian eine Rolle. Der Legende nach wurde Sebastian, der als Anführer der Leibwache unter Kaisers Diokletians in Ungnade gefallen war, verurteilt und von numidischen Bogenschützen mit Pfeilen durchbohrt. Für tot erklärt ließ man Sebastian am Boden liegen. Seine Witwe pflegte allerdings seine Wunden. Wiederhergestellt, tritt er dem erstaunten Diokletian abermals entgegen und wurde von den Häschern des Kaisers endgültig mit Knüppeln zu Tode geprügelt. Den Status als Pestheiliger erwarb Sebastian im 7. Jahrhundert wo eine Pestepidemie in Pavia im Jahr 680 wütete und diese erlosch, nachdem man seine Reliquien hierher brachte und durch die Straßen trug. Heute noch kann man in Devotionalienhandlungen im Umfeld von bedeutenden Wallfahrtskirchen Sebastianpfeile als Amulett erwerben. Pestheilige, wie Sebastian oder Rochus, waren in den Zeiten der immer wiederkehrenden Pest oder ähnlicher Epidemien um Bewahrung und Heilung gerne angerufene Heilige. Auch Heilige, die direkt von der Pest befallen waren und ihr zum Opfer fielen wie Aloisius von Gonzaga, wurden als Pestheilige verehrt. Schlussendlich sei auf eine besondere Verehrung der Pestheiligen auf den zahlreichen der Dreifaltigkeit gewidmeten Pestsäulen verwiesen. Literatur: Hiltgart Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten; Phillipp Reclam jun. Stuttgart1968. Gottfried Biedermann, Karin Leitner: Gotik in Kärnten, Carinthia Klagenfurt 2001. Heimo Schinnerl: „Das Widderopfer in Ötting“; In: KLM Jg. 2015, H. 3-4, S. 4. Internet: https://www.abel-perl.com/Die-Region-im-Mittelalter/Die-Pestheiligen/, 15.1.2021 Abb.: Schutzmantelmadonna, aus: G. Biedermann, Gotik in Kärnten, Carinthia Klagenfurt 2001, S 183, Pfarrkirche Gerlamoos, Thomas von Villach, 20210118_083640 (2)