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Leseprobe
Die "Kreuzabnahme" nach Peter Paul Rubens am Radentheiner Fastentuch Von Axel Huber In der vorösterlichen Fastenzeit ist es immer wieder ein besonderes Erlebnis durch die kraftvoll zu neuem Leben erwachende Gebirgslandschaft Oberkärntens zu fahren und in den dortigen Kirchen das eine oder andere Fastentuch für sich „neu“ zu entdecken. Seit dem Vorjahr liegt die reich bebilderte, 158 Seiten umfassende Broschüre der Autoren Roland Stadler & Monika Suntinger Fastentücher in Kärnten vor. Sie dient bei derartigen Unternehmungen als nützliche Handreichung. In der Magnesit-Stadt Radenthein verhüllt den barocken Hochaltar der Pfarrkirche des hl. Nikolaus während der Fastenzeit ein einszeniges, 3,75 x 3,0 m großes, nicht signiertes Tuch. Es zeigt die Kreuzabnahme Christi (Abb. 1). In der benachbarten Dorfkirche des hl. Johannes der Täufer in Kaning hängt zeitgleich am nördlichen Seitenaltar ein einszeniges, 1,4 x 1,2 m messendes Tuch mit dem gleichen Motiv (Abb. 2). Als Teil einer aus unterschiedlich alten Tüchern bestehenden, dreiteiligen Fastentuchfolge ist es als einziges signiert mit: „Prixtir / Tronigger / 1846“. Der offensichtlich dem Latein nicht kundige Maler scheint sich beim Signieren vertan zu haben. Meines Erachtens ist Tronigger eine Verballhornung von Tronegger, denn im Telefonverzeichnis von Kaning scheint dieser Familienname mehrfach auf, nicht aber der Name Tronigger. Wie auch immer, der Maler Johann Tronegger, alias Tronigger (1821-1876) war in Kaning ansässig. In seiner Heimatkirche betätigte er sich auch als Bildhauer, Vergolder, Organist und „Chorregent“. Die Übereinstimmung in der Maltechnik zwischen den beiden gegenständlichen Fastentüchern lassen auch in Radenthein auf Johann Tronegger – er renovierte 1872/73 nachweislich das Innere dieser Kirche – als Maler schließen. Als Vorlage diente ihm eindeutig die Kreuzabnahme von Peter Paul Rubens (1577-1640) in der Kathedrale von Antwerpen (Abb. 3). Meines Wissens hat der kunst- und sportbegeisterte Radentheiner Pädagoge, Dir. Horst Drumel, erstmals auf diese überaus prominente Vorlage aufmerksam gemacht. Auf welchen verschlungenen Pfaden das Motiv der Rubenschen Kreuzabnahme aus der weit entfernten Handelsmetropole Antwerpen in den damals noch Eisen verarbeitenden Ort Radenthein gefunden hat, wissen wir nicht. Bekannt ist, dass im 19. Jahrhundert die hochwertigen Erzeugnisse der Kärntner Montanindustrie ein europaweit begehrtes Handelsprodukt darstellten. Über diesen länderübergreifenden Fernhandel hat wohl, wie man sieht, auch ein erfreulicher Kunst- und Ideentransfer in umgekehrte Richtung stattgefunden. Die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch die marodierende Soldateska der spanisch-österreichischen Sezessionskriege geplünderten und darüber hinaus durch den calvinistischen Bildersturm „gesäuberten“ Kirchen der Niederlande bedurften neben einer neuen, sakralen Grundausstattung auch unzählige, neu herzustellende Altaraufsätze. Vor diesem historischen Hintergrund ist das Aufblühen der Niederländischen Malerei zu sehen. Für Calvinisten ist wirtschaftliches Erfolgsstreben eine gottgewollte, daher durchaus legitime Gabe, der man sich zu bedienten hat! Mit dieser Einstellung, gebündelt mit „entsprechender“ Zielstrebigkeit, wurde und wird man (stein-) reich (wie ganz aktuell an dem gleichfalls dieser Glaubensrichtung angehörigen Donald T. zu sehen ist!). – Wo viel Geld im Umlauf ist, blühen, wie im hier aufgezeigten Fall besonders gut nachvollziehbar ist, einerseits die Künste,  1) Vgl. Albert Unterscheider, Pfarrblatt Kaning, April 2003. Für diesen Hinweis ist Frau Monika Suntinger zu danken.
Leitartikel Leseprobe Redaktion
anderseits die Begehrlichkeit von außer Kontrolle geratenen, auf leichte Beute erpichten Landsknechten. Um sich vor diesen umherziehenden Plünderern zu schützen, verfügte Antwerpen zu jener Zeit über sechs städtische Schützengilden. Eine davon war die Kolveniersgilde. Anders als die älteren Gilden schossen sie nicht mit Pfeil und Bogen oder mit der Armbrust, sondern mit Feuerwaffen, den „Kolver“ genannten Büchsen – daher ihr Name. In der geplünderten Liebfrauenkathedrale von Amsterdam wollten sie, wie viele andere Gilden dies ihnen gleichtaten, einen neu anzuschaffenden Altar ihrem Schutzpatron, dem Legenden umwobenen, in der Bibel nicht (!) erwähnten, hl. Christophorus weihen. Doch verbot zu jener Zeit die streng reglementierte Bildsprache nichtbiblische Heilige in den Mittelpunkt, spricht „Sonntagsseite“, eines Altargemäldes zu stellen. Um dieses strikte, calvinistische Bildverbot zu umgehen, ersann Rubens eine geniale Lösung: Der Name Christophorus bedeutet „Christusträger“. Dieser Begriff des „Tragens“ ist auf dem dreiteiligen, von Rubens um 1611/14 gemalten Altaraufsatz mehrfach variiert. Auf dem Mittelstück stützt (trägt) der Evangelist Johannes – in der christlichen Ikonographie immer an seinem roten Mantel zu erkennen – den Leib des Gekreuzigten bei seiner Abnahme. Auf dem linken Flügel trägt eine blau gewandete Maria ihren Sohn im Mutterschoß. Auf dem rechten Flügel hält (trägt) Simeon das Jesuskind in seinen Armen. Der hl. Christophorus selbst ist – als nicht biblische Gestalt – auf die Rückseite der Altarflügel verbannt. Rubens Kreuzabnahme gilt als der unübertroffene Höhepunkt der Flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Form, Linien, Licht und Farbe sind perfekt ausbalanciert. Dementsprechend oft wurde dieses Meisterwerk mehr oder weniger kunstvoll, wie unser Radentheiner Beispiel eindrucksvoll zeigt, kopiert. Abbildungsverzeichnis Abb. 1 Radenthein, Pfarrkirche des hl. Nikolaus. Kreuzabnahme, Fastentuch um 1850, zugeschrieben dem Kaninger Maler Johann Tronegger (Foto: Monika Suntinger, 2017) Abb. 2 Kaning, Pfarrkirche des hl. Johannes der Täufer. Fastentuchfolge aus dem 19. Jahrhundert. Links die Kreuzabnahme von Johann Tronegger, 1846 (Foto: Axel Huber, 2007) Abb. 3 Antwerpen / Belgien, Liebfrauenkathedrale. Kreuzabnahme, Mittelstück des dreiteiligen Altaraufsatzes von Peter Paul Rubens um 1611/14 (Foto: Axel Huber, 2017)
Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3