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Kultur Land Menschen
Die Kärntner Landsmannschaft
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Leseprobe
Thomasnacht und Wintersonnenwende Von Heimo Schinnerl Nach der Kalenderreform durch Papst Gregor VIII. im Jahre 1582 wurde der Tag der Wintersonnenwende auf den Tag des heiligen Thomas verlegt. Im Julianischen Kalender war es noch der Luzientag, der 13. Dezember, der kürzeste Tag im Jahr. Die Nacht vom 21. zum 22. Dezember ist daher gleichzeitig die längste Nacht im Jahreslauf. Ihr kommt in der Bezeichnung „Thomasnacht“ und „Wintersonnenwende“ als ein sogenannter Wendetag eine besondere Bedeutung zu. An Wendetagen, dazu gehören auch Geburtstage, Hochzeitstermine, der Andreastag am 30. November oder der Silvestertag zur Jahreswende, werden von der Bevölkerung gerne mit Zukunftsorakeln begangen. Die Möglichkeit etwas über die eigene Zukunft zu erfahren liegt wohl in der Natur des Menschen. Vor allem junge Menschen sind am Werden der kommenden Jahre interessiert. Wie zu Andreas (30. November) hat der heilige Thomas die Fragen an die Zukunft in Form von Lösselbräuchen und denselben Praktiken übernommen. Er ist dadurch zum „Heiratspatron“ der Mädchen avanciert. So setzen zum Beispiel in Kärnten die Mädchen drei Weizenkörner, mit den Namen von drei Liebhabern, in einen Topf. Der Samen, der zu Ostern zuerst aufgeht, bezeichnet den richtigen Bräutigam. Zu den weiteren Orakelbräuche und Praktiken zur Erforschung von Liebesdingen zählen unter anderen das „Bettstattltreten“, das „Pantoffelwerfen“, das „Prügelzählen“ und der „Wasserzauber“. Beim „Bettstattltreten“ werden vor dem Schlafengehen drei Vaterunser gebetet und dann folgender Spruch aufgesagt: „Bettstattl, i tritt di, heiliger Thomas i bitt di, laß mir bei der Nacht erscheinen den herzliebsten, den meinen“. Nach diesen Worten soll dann im Traum der Herzallerliebste zu sehen sein. Oder das Mädchen legt, vor dem zu Bett gehen, einen Laib Brot und ein Messer auf den Stubentisch und spricht dann die Zauberformel. Sollte es zu Mitternacht erwachen so sitzt der Zukünftige bei Tisch und schneidet ein Stück vom Brotlaib. Beim „Pantoffelwerfen“ schleudert das Mädchen einen lose aufgesteckten Pantoffel in Richtung der Tür und spricht dabei: „Schuah (Pantoffel) aus, Schuah ein, wo wer i übers Jahr sein“. Fällt der Pantoffel mit der Spitze zur Tür, so wird das Mädchen als Braut das Haus verlassen. Weit verbreitet ist das „Prügel- oder Zaunsteckenzählen“. Das Mädchen denkt an eine Zahl und begibt sich zu einem Zaun oder Holzstappel. Nun zählt es die Zaunstöcke oder Holzprügel und begutachtet den so ermittelten Stock bzw. Prügel. Das Aussehen gibt Aufschluss über die Schönheit, Hässlichkeit und das Alter des erhofften Bräutigams. Eine besondere Art der Orakelbräuche ist der Wasserzauber. Ledige Mädchen wie auch Männer gehen um Mitternacht zu einer Quelle und sprechen folgende Zauberformel: Heiliger Thomas, i bitt, zag mir in Ruah und Fried, zag mir in der Quelle so klar, wer wert mei Bua (Diandle) übers Jahr“. Darauf zeigt sich im Wasserspiegel das Bild des Zukünftigen bzw. der Zukünftigen. In anderen Gegenden wird ein Gefäß über Nacht mit Wasser, an einer Stelle über die Taufen, Hochzeiten und Leichenzüge gegangen sind, stehengelassen. Wacht man in der Nacht auf, muss man aufstehen und ins Wasser blicken. Das gezeigte Bild wird einem in Form des Bräutigams, der Braut, im kommenden Jahr begegnen. Mit der Thomasnacht beginnt auch die heilige Zeit. Es ist die erste Rauhnacht und der Beginn der „Zwölften“. An allen Türen des Wohnhauses und den Wirtschaftsgebäuden werden Trudenzeichen (Pentagramme) zur Abschreckung von Hexen und bösen Dämonen aufgezeichnet oder eingeritzt, um Unheil vom Gehöft abzuwehren. Während der nächsten Nächte braust die „Wilde Jagd“ durch die Lüfte. Ihre Anführerin ist die Frau Percht. Weiters unterhalten sich die Tiere im Stall über die Zukunft des folgenden Jahres. Zuhören ist jedoch nicht ratsam – nach herkömmlichem Glauben stirbt der heimliche Zuhörer im nächsten Jahr. Wichtig ist daher auch das Räuchern von Haus und Hof. Vor allem an den Abenden zu Thomas (21.12.), am „heiligen Abend“ (24.12.), am Silvestertag (31.12.) und am Vorabend zu Drei König (5.1.). Beim Räuchern wird in einem irdenen Topf oder einer Eisenpfanne, Glut aus dem Herd entnommen und mit der Zugabe von „Kranawitt“ (Wacholder), Speik, geweihten Palmzweigen und Weihrauch ein aromatischer, strenger Duft erzeugt. Damit soll ein Vertreiben aller bösen Mächte und Dämonen, vor allem aber der „Wilden Jagd“ erreicht und der Zugang zu Haus und Hof derselben verhindert werden. Sogar die Hüte werden über das Räucherwerk gehalten, um für das ganze Jahr gegen Kopfschmerzen gesichert zu sein. Und so zieht die bäuerliche Familie, der Hausvater mit der Räucherpfanne (-topf) voraus, die Bäuerin und die Kinder mit dem Weihkessel zum Besprengen der Räume und des Viehs dahinter durch das Anwesen. Bei diesem Rundgang wird fortwährend ein Vaterunser gemurmelt und ein Kreuzzeichen geschlagen. Abb 1: Räuchern, Familie Auer Metnitz Abb 2: Brotorakel, Familie Auer, Metnitz
Abildung1
Abbildung 2